pulmonale hypertonie (ph) e.v.
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Thema: Methylphenidat (z.B. Ritalin) bei Kindern von PH-Patienten

  1. #1
    Ralf ist offline Erfahrener Benutzer ****
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    Standard Methylphenidat (z.B. Ritalin) bei Kindern von PH-Patienten

    Hallo zusammen,

    auf Pubmed gibt es einige Hinweise, dass Methylphendat evtl. PAH ausgelöst haben könnte.
    Eine aktuelle Publikation fordert dazu weitere Studien. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26436168

    Methylphenidat gehört zu den Amphetaminen und regt somit den Kreislauf auf ein aktiveres Niveau an, was jedoch bei ADHS eher paradox zur Regulation von Hyperaktivität eingesetzt wird.

    Hier eine Stoffinfo: http://www.toxcenter.org/stoff-infos...ylphenidat.pdf

    Bei Eltern mit IPAH muss man immer damit rechnen, dass sie eigentlich eine genetische PH haben, durch ein Gen, das evtl. noch nicht bekannt ist, oder auch ein bekanntes Gen, welches aber in der Familie noch nicht einen weiteren Fall von PAH ausgelöst hat, sodass es solange als IPAH gilt, bis dann noch jemand betroffen ist und es dann HPAH heißt, so in meiner Familie geschehen.

    Beim BMPR2-Genträgern bricht z.B. die PAH nur in ca. 20% der Fälle auch aus. Aber es gibt bekannte und unbekannte Trigger, die das ggf. auslösen können und den Ball ins Rollen bringen.
    So wird es auch bei den anderen PAH- Genen sein.

    Um auf der sicheren Seite zu sein, könnte man sich da durchaus die Frage stellen, ob es da eine gute Idee ist, Methylphenidat dann noch zurückhaltender zu geben, da es ja mit Amphetaminen verwandt ist, die bekanntermaßen ein Trigger für PAH sein können, insbesondere natürlich bei bereits schlummernder, weil möglicherweise geerbter, Disposition.

    Aktuell gibt es einige Fälle aber der letzte Beweis steht noch aus. Aber es gibt eben nur eine sichere Seite!
    Gleiches gilt natürlich auch für andere Risikofaktoren wie z.B. Johanneskraut, Aktivität in großer Höhe (Skiurlaub) etc.

    Sicher einen Gedanken wert,

    LG Ralf

  2. #2
    amanda ist offline Erfahrener Benutzer ***
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    Ich hole das Thema mal hoch.

    Weiß jemand etwas dazu - ist das irgendwo schon mal als Ratschlag in einem Zentrum aufgetaucht, kein Methylphenidat bei möglicherweise betroffenen Kindern zu verschreiben?

    Ich habe auch eine Anfrage ans Zentrum gestellt, da es uns ganz konkret betrifft - frage aber auch gern die Schwarmintelligenz.

    Jegliche Info wäre dankbar.

    LG amanda

  3. #3
    card ist offline Erfahrener Benutzer ****
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    dutzende treffer, liest du dich bitte ein und stellst zur diskussion :

    http://www.lmdfdg.com/?q=methylphenidate+pulmonary

  4. #4
    amanda ist offline Erfahrener Benutzer ***
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    Hab ich. ICH hab nichts Aktuelleres als oben gefunden, zumindest eben nichts wirklich im großen Umfang Belegtes oder klare Warnhinweise im Bezug auf PH.


    Daher meine Frage, ob es in den deutschen Zentren dazu von Ärzten Aussagen gibt. Wissend, dass ich einfach nicht den Zugang zu allen medizinischen Veröffentlichungen habe.

    Ich fasse nochmal die aktuelleren Links zusammen, die relevant sind, für andere Interessierte mit HP(A)H und Kindern:

    http://www.bmj.com/content/353/bmj.i...apid-responses ("The cardiovascular safety of methylphenidate" -
    (Achtung: Das sind Stellungnahmen zu einem veröffentlichen Kommentar, diesem hier: http://www.bmj.com/content/353/bmj.i2874 , der sich wiederum auf diesen Artikel bezieht: http://www.bmj.com/content/353/bmj.i2550) Stammt alles von 2016. Zusammenfassung: Kinder und Jugendliche die Methylphenidat nehmen, sollten genauer beobachtet werden, insbesondere wenn Erkrankungen des Herzens bekannt sind. Aber eigentlich gibt es zu wenig Studien zu den Zusammenhängen und keine klaren Zusammenhänge/Belege für eine direkte Wirkung (außer erhöhte Wahrscheinlichkeit für Arrhythmien). Der 1. Kommentar fasst zusammen:

    It is difficult to characterize the absolute risk in a case only study design. But in a population based study of children surgically treated for a congenital heart defect, the annual rate of sudden cardiac death over 20 years ranged from one case per 454 children to one case per 7154 children, depending on the type of defect.10 The findings of Shin and colleagues suggest that, among this subgroup, the rate could be increased up to threefold during the first few days of methylphenidate use, as the drug is associated with a threefold increased risk of arrhythmia in children with congenital heart disease. In the average child, the risk of serious cardiovascular events is extremely small (3 per 100 000) and any absolute increase associated with methylphenidate is also likely to be small.Regulatory labeling and treatment guidelines for stimulants express caution for use in children with personal or familial history of cardiovascular disease and call for routine monitoring of blood pressure.11 12 The study by Shin and colleagues underscores the need to consider the severity of ADHD symptoms and the option of non-stimulants for children with high cardiovascular risk, to avoid uses that are entirely off label, and to closely monitor patients for whom stimulants are critical for their wellbeing and development.




    Dann noch mal in schöner Form, aber eigentlich gleicher Inhalt wie der erste link von Ralf, aber mit Erklärung der Wirkungszusammenhänge (von 2015): http://files.sld.cu/medicamentos/fil...e_disease1.pdf

    Auch 2015: http://www.acc.org/latest-in-cardiol...thmia-patients

    Und nochmal der Artikel zu Methylphenidat (zwar off-label, ist aber in dem Zshg egal) und den eben zu wenig untersuchten Nebenwirkungen in ausführlich:
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4162523/ Ist halt von 2014...

    Aktueller (2017, single center und aber Erwachsene, und ich habe keinen Zugang zum ganzen Artikel... http://www.atsjournals.org/doi/abs/1...bstracts.A7479


    So. Wie gesagt, hätte mich interessiert, was die Ärzte in den PH-Zentren hier dazu sagen, wenn das überhaupt jemandem schon mal begegnet ist.

    Ging mir um was möglichst ganz Aktuelles.
    Ich vermute ja, dass man halt logischerweise das Kind genau beobachten muss und verstärkt kontrollieren, etc etc pp. Das rät einem ja der gesunde Menschenverstand.

    Ich geb Bescheid, sobald ich eine Auskunft von "meinem" Zentrum dazu habe.

    LG amanda

  5. #5
    card ist offline Erfahrener Benutzer ****
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    Zitat Zitat von amanda Beitrag anzeigen
    Aktueller (2017, single center und aber Erwachsene, und ich habe keinen Zugang zum ganzen Artikel... http://www.atsjournals.org/doi/abs/1...bstracts.A7479
    das ist der ganze "artikel"
    es ist ein poster, das in der poster discussion session am 24.05.2017 auf der ats-konferenz besprochen wurde.
    erhöhtes risiko demnach zur entwicklung einer sekundären pulmonalen hypertonie, insbesondere bei frauen, sowie vermutetes risiko bei irgendwie gearteter prädisposition, darüber hinaus bei ipah und apah keine statistisch signifikanten abweichungen

    aber wie du schon schreibst ( gesunder menschenverstand ) : besser, wenn man darauf verzichten kann

  6. #6
    Ralf ist offline Erfahrener Benutzer ****
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    Ich sehe das wie card und Amanda,
    wie ich schon eingangs schrieb: Es gibt nur eine sichere Seite.

    Wenn es doch Ritalin sein soll, dann wäre mein Vorgehen:
    Gentest beim betroffenen Elternteil. Sofern der positiv ausfällt, Kind darauf testen. Wenn es beim Kind negativ ist, ist das Risiko durch Methylphenidat nicht anders als bei jedem.

    Apropos ADHS...ich habe bei einem ADHS-Test fulminant gepunktet und demnach ADHS, aber nie Methylphenidat bekommen. Eine Frage könnte ja auch sein: Wenn PAH das vegetative Nervensystem dauerhaft deutlich aktiviert, könnte das nicht auch - falsch - als ADHS diagnostziert werden - oder aber Symptome aus dem Formenkreis machen? Eine interessante Frage auch: Wird das ZNS erst durch die fortgeschrittene PAH aktiviert oder gar schon durch den vorhandenen Gendefekt, also ggf. vor den Krankheitssymptomen?
    Fragen über Fragen.

    LG Ralf

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