Dass ein Arzneistoff zur Sekundärprävention etwa von kardiovaskulären Ereignissen hilfreich ist, heißt noch lange nicht, dass das auch für die Primärprävention zutrifft.

Fischöle bleiben umstritten

In der Laienpresse werden oftmals auch Nahrungsergänzungsmittel (NEM) mit Fischöl angepriesen, wenn es um die kardiovaskuläre Prävention geht. Dafür gibt es jedoch laut einer Untersuchung der ASCEND-Studiengruppe aus dem Jahr 2018 zumindest für die Gruppe der Diabetiker ohne kardiovaskuläre Erkrankung keine Evidenz (»New England Journal of Medicine«, DOI: 10.1056/NEJMoa1804989). Allerdings gibt es Hinweise, dass speziell hoch dosierte Ethyl-Eicosapentaensäure zumindest bei Hochrisikopatienten unter Statintherapie das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse senken könnten (»New England Journal of Medicine« 2019, DOI: 10.1056/NEJMoa1812792).



Gemäß einer Metaanalyse aus dem Jahr 2017 sind auch andere NEM in der Primärprävention nicht so wirksam, wie es sich viele Patienten erhoffen. Die untersuchten Präparate mit den Vitaminen C, D und K, Selen, Zink, Magnesium und der Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure reduzierten keines der in der Studie untersuchten Risiken. Die übermäßige Zufuhr von Vitamin A war sogar mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert. Ein positiver Effekt war aber für NEM mit Vitamin E und Folsäure zu verzeichnen. Eine allgemeingültige Aussage zur Wirksamkeit von NEM in der Primär- und Sekundärprävention wird allerdings dadurch limitiert, dass die Präparate in vielen verschiedenen Qualitäten und Dosierungen auf dem Markt erhältlich sind (»Advances in Nutrition«, DOI: 10.3945/an.116.013516).



PPI nur bei klarer Indikation

Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) wenden Patienten unter anderem an, um während einer Therapie mit nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder langfristig niedrig dosierter ASS intestinalen Erosionen und Ulzerationen vorzubeugen. Indiziert ist das aber in der Regel nur bei Risikopatienten. Dazu zählen unter anderem Menschen über 65 Jahre, Patienten mit Ulkusanamnese, Antikoagulanzientherapie, Helicobacter-Besiedlung oder Komedikation mit Corticosteroiden.


Der »Magenschutz» ist nicht unproblematisch: PPI beeinflussen die Absorption und damit die Bioverfügbarkeit zahlreicher Medikamente. Auch einen klinisch relevanten Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel halten Wissenschaftler für möglich, ebenso gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Darm- und Lungeninfektionen durch eine vermehrte bakterielle Besiedelung des oberen Gastrointestinaltrakts. Unklar ist auch, ob die langfristige Einnahme das Frakturrisiko erhöht. 2017 lieferte eine Studie zudem Hinweise darauf, dass die langfristige Einnahme mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs assoziiert sein könnte (»British Medical Journal«, DOI: 10.1136/gutjnl-2017-314605).


Es gibt aber auch eine Untersuchung, in der die Langzeitanwendung speziell von Pantoprazol sicher war (»Gastroenterology« 2019, DOI: 10.1053/j.gastro.2019.05.056). Dennoch gilt: Patienten sollten die Arzneimittel nur bei klarer Indikationsstellung längerfristig einnehmen. In der Sekundärprophylaxe zählt die Rezidivprophylaxe von Geschwüren des Magens und Zwölffingerdarms zu den zugelassenen Indikationen, bei denen der Nutzen den Risiken im Allgemeinen überwiegt.


https://www.pharmazeutische-zeitung....TDT-18-09-2019