Etliche Arzneistoffe fördern eine Gewichtszunahme, manche sogar um mehrere Kilogramm.
Das ist körperlich und seelisch belastend für die Patienten und gefährdet deren Adhärenz.
Apotheker können Neben- und Wechselwirkungen der Medikation prüfen, mit dem Arzt mögliche Änderungen besprechen und über Gegenmaßnahmen aufklären.


Tabelle 2: Antidiabetika und Antihypertensiva und ihre Auswirkung aufs Gewicht (1, Fachinformationen)

»Der Klassiker sind hier Betablocker«, so die Expertin. Ein älterer Review aus dem Jahr 2001 zeigt, dass das Körpergewicht in drei Studien in der Betablocker-Gruppe höher war als in einer Kontrollgruppe. Im Durchschnitt nahmen die Patienten 1,2 kg zu. Dieser Effekt zeigte sich vor allem zu Beginn der Therapie. Nach den ersten Monaten stagnierte die Gewichtszunahme (26).

Auch das Abnehmen fällt übergewichtigen Patienten unter Betablocker-Therapie schwerer. Eine Studie aus 2016 demonstrierte das am Beispiel von Teilnehmern des The Ottawa Hospital Weight Management Programms. Anwender von Betablockern nahmen weniger ab – sowohl an Gewicht als auch beim Taillenumfang (27).

Die Zunahme an Körpergewicht ist aber nicht bei allen Betablockern gleichermaßen stark ausgeprägt. Während Metoprolol mit einer signifikanten Zunahme assoziiert wird, scheint diese Wirkung beispielsweise bei Carvedilol auszubleiben oder deutlich schwächer ausgeprägt zu sein (28).




Arzneistoffgruppe eher geringer Einfluss Gewicht erhöhend eher Gewicht senkend
Antidiabetika Insulin, Tolbutamid Acarbose, Dapagliflozin, Exenatid, Metformin
Antihypertensiva Aliskiren, Amlodipin, Enalapril, Lisinopril, Ramipril (ACE-Hemmer teilweise auch eher senkend), Olmesartan, Telmisartan, Prazosin Atenolol, Metoprolol, Propranolol, Clonidin, Diltiazem, Valsartan Furosemid, Hydrochlorothiazid, Losartan
Machen Antibiotika dick?

Einige Studien weisen darauf hin, dass Art und Vielfalt der Darmbakterien möglicherweise das Körpergewicht beeinflussen. Durch eine längere Antibiotikatherapie wird die Zusammensetzung der Darmflora verändert. Möglicherweise überleben genau die Bakterien, die die Nahrung besonders gut verwerten. Bei Kindern erscheint einigen Forschern ein Zusammenhang zwischen häufigen Antibiotika-Anwendungen und der Entwicklung von Übergewicht infolge einer veränderten Darmflora als naheliegend (30, 31).
2014 konnten französische Wissenschaftler eine Gewichtszunahme bei Patienten nachweisen, die wegen einer Q-Fieber-Endokarditis längere Zeit Antibiotika – in diesem Fall Doxycyclin und Hydroxychloroquin – einnehmen mussten. Verglichen mit einer Kontrollgruppe zeigte sich bei der Antibiotika-Gruppe nicht nur eine abnorme Zunahme an Körpergewicht, sondern auch eine geringere Konzentration an Darmbakterien, vor allem Bacteroidetes, Firmicutes und Lactobacillus (32).
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