Herzinsuffizienz-Leitlinien zu männerlastig?
Frauen sind anders – und benötigen womöglich deutlich niedrigere Dosierungen


Kardiologen haben das Outcome von Frauen und Männern mit Herzinsuffizienz posthoc in der BIOSTAT-CHF-Kohorte verglichen. Das interessante und doch etwas verblüffende Ergebnis: Bei den Patientinnen mit Herzinsuffizienz waren Hospitalisierungsrate und Mortalität niedriger, wenn sie nur 40 bis 60% der Leitlinien-entsprechenden Dosis der First-Line-Medikamente erhalten hatten. Im Gegensatz dazu war bei den Männern tatsächlich auch der Erhalt von 100% der empfohlenen Dosis mit dem besten Outcome assoziiert.
Über dieses Ergebnis ihrer Analyse berichten Dr. Bernadet T. Santema von der Abteilung für Kardiologie am University Medical Center Groningen und ihre Kollegen in The Lancet [1].

„Diese Auswertung gibt Aufschluss über einen Bereich, zu dem bisher Daten gefehlt haben“, kommentieren Dr. Heather P. Whitley und Dr. Warren D. Smith von der Auburn University Harrison School of Pharmacy, Auburn, Alabama, in einem Editorial [2]. Generell handele es sich um eine „durchdachte und gründliche Untersuchung, die darauf aufmerksam macht, dass möglicherweise unterschiedliche geschlechtsspezifische Dosierungen notwendig sind“, schreiben sie.

Die Editorialisten ergänzen: „Obwohl die Raten unerwünschter Arzneimittelwirkungen nicht direkt bewertet wurden, ist die Beobachtung, dass der maximale therapeutische Nutzen bei Frauen in einer niedrigeren Dosis erreicht wird, ein wichtiges Ergebnis für die Praxis“ und unterstreiche „die Notwendigkeit, geschlechtsspezifischer Unterschiede in der klinischen Pharmakotherapie stärker zu berücksichtigen“.
https://deutsch.medscape.com/artikel...292953DN&faf=1