Patienten haben weniger Vertrauen in Generika und Biosimilars als in die Originalpräparate.
Folglich kommt es bei den Nachahmer-Produkten häufiger zum Nocebo-Effekt.
Was können Ärzte tun, um den Effekt abzuschwächen?

Derek Adams wollte nach einem Streit mit seiner Freundin sterben. Er nahm 29 Kapseln eines Antidepressivums ein, das er im Rahmen einer Medikamentenstudie bekommen hatte. Die Dosis war hoch genug, sein Kreislauf brach zusammen, er schwebte in Lebensgefahr.
Bei seinem „Medikament“ handelte es sich jedoch nur um ein Placebo – er gehörte zur Kontrollgruppe einer Studie. Als er erfuhr, dass er nur ein Scheinmedikament geschluckt hatte, verschwanden die Symptome wieder. Schuld an dem Zustand des Mannes war der Nocebo-Effekt.
Nocebo-Effekte lassen sich vermeiden

Eine medizinische Behandlung stellt für viele Patienten eine Extremsituation dar, in der sie für Negativsuggestionen besonders empfänglich sind. Von unbedachten Worten, nonverbalen Signalen der Medizintechnik bis hin zur aufgezwungenen Passivität summieren sich zahllose Negativeinflüsse.
Der Anästhesist und Biochemiker Prof. Dr. Ernil Hansen, Universität Regensburg, ist anerkannter Experte für Nocebo-Effekte und Hypnose in der Medizin. In einer Übersichtsarbeit gibt er Tipps für Mediziner, um Nocebo-Effekte bei Patienten zu vermeiden:

  • Jede Therapie durch bestärkende Worte ankündigen. Wirkerwartungen positiv formulieren: „Gleich werden Sie sich wohler fühlen“ anstelle von „Gleich wird Ihnen nicht mehr übel sein“.
  • Zu Risiken immer auch positive Wirkungen nennen. Beispiel: „Sie wissen wahrscheinlich schon, dass bei der Chemotherapie Übelkeit auftreten kann, weil bei der Bekämpfung der Tumorzellen auch Körperzellen etwa des Darms in Mitleidenschaft geraten; der Tumor wird aber viel, viel stärker getroffen.“
  • Den Blick dafür öffnen, dass Nebenwirkungen nicht zwangsläufig (wieder) auftreten müssen. Beispiel: „Ich habe eine Menge Patienten getroffen, die schon einmal nach einer Narkose erbrechen mussten und die dann das nächste Mal eine Narkose ohne Erbrechen hatten.“
  • Risiken unpersönlich formulieren: „Manche Patienten bekommen...“ nicht: „Sie haben das Risiko ... .“

Kommunikation als Waffe gegen Nocebo-Effekte

Ärzte, das Pflegepersonal und Apotheker sollten die Nocebo-Erkenntnisse in ihre Patientenkommunikation einfließen lassen. Ein banaler Szenejargon kann zum Nocebo werden. „Wir schläfern Sie jetzt mal ein“ – immer wieder humorvoll vor einer Narkose gesagt. „Wir schneiden Sie jetzt in Scheiben“ bei einem CT weckt auch nicht gerade Vertrauen. Und wenn der Patient in der Apotheke erfährt, dass ein Medikament „defekt“ sei, ist es nicht kaputt, sondern gerade einfach nicht lieferbar.


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