Zusätzlich zur verordneten Medikation greifen Patienten oft munter im Drogeriemarkt zu.
Was da an Kombinationen aus Mittelchen, Tropfen und Pillen zusammenkommt, ist fast schon gefährlich.
Wie ein neues System zur Medikationsanalyse uns jetzt hilft.

Der Titel Athina ist für die Apotheke nicht zwingend nötig, um den hilfreichen Service anzubieten. Und helfen können Apotheker hier in jedem Fall. Ganz häufig sind es Kunden mit chronischen Problemen, denen wohlmeinende Angehörige zum Geburtstag irgendwelche Mittel aus dem Drogeriemarkt schenken. Da kann ja nichts Schlimmes dran sein, wenn man noch ein paar Vitamine, Mineralstoffe oder pflanzliche Produkte zur Unterstützung nimmt, denken viele. „Die Oma hat es doch mit dem Herzen! Da bekommt sie von uns die schöne bunte Packung mit dem tollen Versprechen, dass das Mittel eine normale Herzfunktion unterstützt.“ Dass so was mehr oft mehr schadet als nutzt, belegen Alltagsmomente aus unserer Apotheke.


Nehmen wir als erstes Beispiel mal Oma Käthe mit Herzrasen und Schwächegefühl. Die Symptome sind vor zwei Wochen ganz plötzlich aufgetreten, sie kann sie sich nicht wirklich erklären. Oma Käthe hat von uns diverse Medikamente bekommen, die wir im Rechner vergleichen können. Aber uns fällt hier nichts auf. Als wir nachhaken, ob sie noch irgendwas zusätzlich einnimmt, nickt sie. Auf Nachfrage wird sie zur Athina-Kundin. In der Tüte, die sie uns bringt, finden wir tatsächlich Einiges, was wir nicht erwartet hatten.

Um ihren Blutdruck zu senken, nimmt Oma Käthe seit Jahren Spironolacton ein. Hier muss man wissen, dass dieser Wirkstoff die Aldosteron-Rezeptoren blockiert. Dadurch kommt es zur vermehrten Ausscheidung von Natrium und Wasser. Schenkt nun ein wohlmeinender Enkel von Oma Käthe ein Nahrungsergänzungsmittel mit extra viel Kalium aus dem Drogeriemarkt von nebenan, ist ihm (hoffentlich!) nicht bewusst, dass er so schneller zum Erbe kommt, als ihm vielleicht lieb ist. Er hat Oma Käthe damit nämlich zum Geburtstag eine Hyperkaliämie beschert, herzlichen Glückwunsch!

Medikamententausch unter Freunden

Im zweiten Beispiel geht es um Medikamente, die einfach unter Freunden oder innerhalb der Familie getauscht werden. Was dem einen gut getan hat, wird dem anderen ja nicht schaden, oder? In einer unserer Medikamententüten fand sich eine Suspension mit Hydrotalcit in trauter Einigkeit mit einer Packung L-Thyroxin. Auf unsere Nachfrage, wer denn das Medikament gegen die Magenbeschwerden empfohlen hat, waren es weder Arzt oder Apotheker, sondern eine Nachbarin.

Die hatte die angebrochene Packung, die sie selbst nicht mehr brauchte, weiterverschenkt – praktischerweise ohne Beipackzettel. Unsere Kundin hatte morgens häufig Magenschmerzen und nahm daher das Antacidum einfach gleichzeitig mit den Thyroxin-Tabletten ein, wenn sie ja sowieso schon wach war. Dass die Wirkung des Schilddrüsenhormons dadurch deutlich verringert werden kann, hat die Kundin bei ihrem Athina-Termin richtig erschreckt.

Ärzte: Blindes Verschreiben fällt selten auf


Und auch ein drittes Beispiel gebe ich noch, fast schon ein Klassiker. Ein Kunde klagte über chronische Müdigkeit und seltsam niedrigen Blutdruck. Laut unserer Datenbank hatte sein Hausarzt ihn Anfang des Jahres von einem Kombipräparat aus Candesartan und Hydrochlorothiazid (HCT) auf ein Monopräparat ohne HCT umgestellt. Der Patient war vor zwei Jahren an einer Form des weißen Hautkrebses erkrankt. Das erklärte allerdings nicht seine Müdigkeit und schon gar nicht den deutlich niedrigeren Blutdruck. Also wurde er zu unserem nächsten Athina-Kandidaten. In seiner Tüte fanden wir Blopress forte plus und Candeamlo 32 mg, die er beide jeden Tag einnahm.

Es war durch die unterschiedlichen Präparatenamen für den Kunden nicht klar ersichtlich, dass er hier denselben Wirkstoff einfach in doppelter Dosierung eingenommen hatte. Der Facharzt schrieb die Blopress wie immer auf, weil er sich um die Hautgeschichte in der Vergangenheit nicht gekümmert hat. Der Hausarzt hatte das neue Medikament aufgeschrieben und versäumt, den Patienten darauf aufmerksam zu machen, das alte Medikament zu entsorgen. Wir konnten das nicht merken, weil er die Blopress vom Facharzt in der Apotheke im Ärztehaus mitgenommen hatte und nicht bei uns, seiner Hausapotheke.
https://www.doccheck.com/de/detail/a...Polymedikation