Weil sie eine Ergänzung zu Antibiotika darstellen könnten, arbeiten Forscher weltweit mit Bakteriophagen, bakterienbefallenden Viren.
Die ersten Präparate mit den Bakterienkillern befinden sich bereits in der klinischen Entwicklung.
Auch in Deutschland soll demnächst eine Studie anlaufen.

Phagenprojekt in Deutschland

In Deutschland hat sich das Projekt Phage4Cure, ein Zusammenschluss von vier Instituten, zum Ziel gesetzt, Bakteriophagen als Medikament im Kampf gegen bakterielle Infektionen zu etablieren und zur arzneimittelrechtlichen Zulassung zu bringen − und dies in unterschiedlichsten Indikationen und Darreichungsformen. Dafür hat sich das Leibniz-Institut DSMZ − Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH mit dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM), der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Charité Research Organisation (CRO) zusammengetan.


»Als erster Schritt zu diesem ambitionierten Ziel soll ein inhalierbarer Wirkstoff aus Bakteriophagen gegen das Bakterium Pseudomonas aeruginosa hergestellt werden, der internationalen Qualitätsrichtlinien für Arzneimittel genügt«, erklärt Dr. Markus Uhle von der CRO gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung.

Die DSMZ hat die Phagen für das Produkt ausgewählt und an das Fraunhofer ITEM übergeben, wo momentan die Vermehrung und großtechnische Herstellung des Präparates nach GMP erfolgt. »Sobald das Material vorliegt, wird die Präklinik starten und hiernach die Erstanwendungsstudie, zunächst aber voraussichtlich an gesunden Probanden«, erklärt Uhle. Wenn sich Sicherheit und Verträglichkeit bestätigen, erfolgt im Anschluss die Verabreichung an Patienten mit chronischer Pseudomonadeninfektion der Lungen.


Mit Nebenwirkungen der Therapie rechnen die Forscher nicht. »Der menschliche Körper ist an Phagen gewöhnt«, so Uhle. In keinem Einzelfallbericht wird über Nebenwirkungen berichtet, die für Phagen spezifisch wären. Die Viren werden darüber hinaus schon länger in der Lebensmittelproduktion eingesetzt und sind dafür zugelassen.
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