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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wünsche an DEINE Angehörigen / Wünsche von Angehörigen/Freunden



wuffel
03.07.2013, 21:15
Huhu, Ihr Lieben,

es ist schwer...richtig schwer Tacheles zu reden mit z.B. Männe, wenn die Pulmonale Hypertonie zugeschlagen hat.

Man traut sich ja gar nicht wirklich...die Wahrheiten zu sagen...aber wat mut dat mut

Und dann?

Dann verkriecht sich z.B. mein Männe noch mehr in seine Berufe...und meinereiner, Hundiwuff und anderes Gedöns wird hektisch dazwischengequetscht.

...er macht da weiter, wo er vor der Krankheit aufgehört hat.

Schön wäre, wenn er mehr Zeit für uns hätte....wenn er die Initiative bisweilen ergreifen würde und Treppenlift einfach einbauen lässt oder das Bad barrierfrei bauen lässt....aber nö, es ist ein ewiges Hin und Her....und ich werde gefragt und beauftragt....zu suchen, zu gucken...zu entscheiden.

Dabei bin ich mit dem purem Dasein schon überfordert....ächz

Duschen ist Himalayabesteigung....usw.

Momentan gehts mir echt bescheiden...war wohl alles zuuu viel im Krankenhaus.

Männe ist sicherlich ein ganz lieber...sonst hätt ich ihn mir ja nicht ausgesucht....aber zur Zeit absolut überfordert.

Wenn der Kerl so weitermacht, landet er auch im KH....grummel

Aber alle anderen sind ja unsterblich.

Da krieg ich schomma die Wut....so nacht dem Motto:

Wer weiß, wie lange ich noch habe...und ER geht arbeiten. Grrrrr....

Sodele, das musste mal raus.

Muss bei EUCH auch mal was raus?

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Welche Wünsche habt Ihr?

Einfach mal drauflos schreiben....

Träume?

PS: Mein Traum wäre KEINE Treppe!!!! ;-)

wuffel
03.07.2013, 21:19
Gleiches Recht für alle...nachdem ich in dem vorherigen Fred nach Wünschen der Kranken an die Angehörigen bzw Freunde gefragt habe, jetzt das ganze umgekehrt.

Ihr Lieben,

was wünscht Ihr Euch vom Erkrankten???

Einfach drauflos schreiben!!!

tigerlady2
04.07.2013, 13:07
Hallo Wuffel,

ja die Männer können nicht mit sowas umgehen. Meiner ist auch so. Ein ganz lieber aber möglichst wenig sehen zu Hause. Denn er hat ja einen stessigen Job. Ich hab ihn dann doch überzeug eine gute Feh ins Haus zu holen. DAs hab ich aber erst nach meiner OP geschafft.
Sonst hilft er mir schon die Wäsche abhängen und hochtragen. Müll raus bringen. Oder wenn ich ihn bitte, dass dies oder jenes gemacht werden muss. Aber was ihm nicht gefällt, wird über tage gezogen.
Zur Zeit geht es mir auch beschissen. Schon eine ganze Zeit lang. Fühl mich total ko. Mein Herz klopft und ich könnte den ganzen Tag schlafen.
Ich hoffe nur, dass nichts verschlechtert hat. Nächste Woche hab ich kontrolle in Heidelberg.
Ich finde es gut, wenn wir mal so schreiben wie es uns mit dem Partner geht. Sonst wird soviel unter dem Tisch gekehrt und jeder steht allein da.
Lieben Gruß
claudia

Männchen
04.07.2013, 18:55
Hallo Ihr Lieben
Bei uns war es so das mir die Krankeheit den Boden unter den Füßen weg gerissen hat und bei meinem Mann kam die Wirkung erst später nach dem er bemerkt das ich nicht mehr die Power Frau bin die ich vor her war.
Ich brauche für alles wesendlich länger und schaffe nicht mehr das was ich sonst gemacht habe ,aber da durch bin ich auch selber so Unleidlich geworden und Unzufrieden was mein Mann erstmal ab bekommen hat jetzt wo ich mich gefangen habe drängt mein Mann meine Krankheit weg und tut als wäre sie nicht da weil er nicht weiß wie er da mit um gehen soll den ich bin bei uns die Fröhliche und die jenige die gerne und viel Lacht und Blödelt und da bin ich auch jetzt wieder.
Im großen und ganzen kann ich mich nicht beschweren denn alles Schwere macht er.
Jetzt die Geschichte mit der Rente hat uns beide auch umgehauen aber ich brauchte so 3-4 Tage und dann habe ich die Sache in Angriff genommen und Arbeite meine Termine runter und werde Ende Juli ungefähr meine Endscheidung Treffen wie mein weg weiter geht.
Wir reden auch über die Krankheit aber ich Merke das Sie meinem Mann Angst macht und das möchte ich nicht.
Mir geben meine Schwester und mein Bruder viel Seelische unterstützung merkwürdiger weise kann ich mit den beiden sehr gut darüber sprechen und auch einfach mal nur Weinen wenn ich da an Früher Denke da sind oft die Fetzten geflogen.
So Ihr Lieben jetzt will ich mal runter und schauen was der Kühlschrank noch so her gibt ich hab Hunger.
Ahoy Männchen

wuffel
04.07.2013, 20:59
Schade....traut Euch!!!

...im Moment...und seit Februar (Diagnosestellung) dreht sich mein Kopf um die Erkrankung...sie ist tödlich und mir gehts bescheiden...man hat sozusagen das Ende direkt vor Augen und es fühlt sich auch so an.

Es ist erstaunlich, dass man wirklich fühlt "oh je, da ist was ganz ganz böses..."

Von daher hab ich natürlich fast nur eine "Platte" am Laufen: meine Krankheit

Gerne lege ich ne andere auf, wenn es mir besser geht....

Ich nehme an, dass das das Umfeld krass zuuu viel wird, oder???

hub29
04.07.2013, 22:33
Hi,

manchen/vielen schon. Wer nicht in einer solchen Situation ist kann sich das nicht vorstellen und denkt oft: "Was hat er denn? Ich wünschte ich wär in EU-Rente, dann hätte ich keinen Stress mehr in der Arbeit." Oder: "Na toll, jetzt ist der schwerbehindert, jetzt kann er nicht mehr gefeuert werden - hat der ein Glück...".

Die Leute denken nicht soweit, dass man daran stirbt, die können sich "Todesangst" nicht vorstellen. Oder sie WOLLEN sich die Situation nicht vorstellen oder sich das anhören weil sie sich dann mit dem Thema Tod beschäftigen müssten - und zwar ernsthaft und nicht nach Hollywood-Klischees ("Hey, cool, noch ein Terrorist tot, erschieß gleich noch einen, aber bitte etwas blutiger..." Oder: "Oh, ist das wunderschön, dass Romeo und Julia am Ende Selbstmord begehen - das ist ja soooo romantisch...").

Ich hab Glück, hab in meinem Freundeskreis sehr unterschiedliche Leute, und an 1-2 wendet man sich wenn man Probleme hat und reden will, und an den Rest wendet man sich, wenn man ins Kino will.

Du kannst die Sache aber auch umgekehrt sehen: Du kannst dich jetzt sehr gut in andere Personen mit Problemen reinfühlen - und denen kannst du zuhören und vielleicht durch Gespräche helfen. Durch deine Lage siehst und fühlst du jetzt Dinge, die andere nicht verstehen oder wahrnehmen können - und damit bist du für manch einen vielleicht ein guter Zuhörer (meinetwegen wenn jemand Existenzangst hat weil er demnächst seinen Job verliert).

Es ist vielleicht auch manchmal sinnvoller (wenigstens bei mir) nicht mit anderen über etwas zu reden, sondern der Stimmung entsprechende Musik aufzulegen (Bruckner, Mahler - z.B. den zweiten Teil aus der 8. Sinfonie - aber unbedingt den Text mitlesen: "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis...", Lieder von Schubert - man nehme die Aufnahmen mit Ian Bostridge, späte Beethoven-Quartette, Bachs Solosonaten und Partiten, Wagners Parsifal etc.) - und dann, wenn man sich sozusagen über die Musik "ausgekotzt/ausgeweint" hat, anschließend Musik auflegen, die einen beruhigt. Also Mozart-Quartette, langsame Sätze der Beethoven-Klavierkonzerte (kann man sich ja alles selber zusammenstellen und brennen), Arvo Pärt, Chorwerke von Bruckner, Giya Kancheli, Lieder von Schubert - vielleicht sogar die gleichen Lieder, aber diesmal die Aufnahmen von Matthias Goerne, Requiem von Faure, Klavierstücke von Debussy, Liszt, wer keine Klassik mag, kanns ja mit Ketil Bjornstad, Tord Gustavsen Trio oder Iron and Wine etc. versuchen.

Was richtig gut ist, das ist Filmmusik, z.B. schau dir "The new world" von Terrence Mallick an, kauf dir dann dazu die Filmmusik von James Horner. Wenn du dann nicht schlafen kannst, nimm ne Baldriantablette, leg dich ins Bett und tu die Filmmusik rein, mach die Augen zu, dann träumst du dich ganz automatisch in eine andere Welt, weil du mit der Filmmusik auch gleich im Kopf die wunderschönen Filmbilder wieder abrufen kannst (das bedeutet, dass die Filmmusik von Terminator, Titanic, Stirb langsam und so für sowas nicht so gut geeignet ist...).

Das hilft mehr, als mit Leuten zu reden die vielleicht nur höflich sein wollen..., besonders, wenn man nur telefoniert. Manche werden den Hörer irgendwo liegen haben und ab und zu mal "ja, ich verstehe" oder "mhm" sagen, damit du DENKST, dass sie zuhören, obwohl die nebenher grad irgendwelche emails schreiben...

Was extrem gut hilft sind auch Massagen. Da hab ich Glück, ne Bekannte von uns ist Heilpraktikerin (eine, die keinen Hokus-Pokus betreibt). Und das wirkt manchmal wirklich Wunder. Danach bist du total entkrampft (wenn du ne gute Heilpraktikerin hast...).

Nimm dir irgendwas vor, was du schon immer mal machen wolltest aber nie die Zeit hattest (ich wollte immer die Liszt-Beethoven-Transkriptionen lernen - hatte dafür nie Zeit - jetzt hab ich Zeit und bin dabei - und es ist großartig). Fang mit Modellbau an oder lern ein Instrument. Kauf dir die gesammelten Werke von Schiller u.a. und setz dich damit auf den Balkon. Merk dir alle Gedichte ein die dir gefallen und lern jeden Tag ein paar Zeilen auswendig. Wenn man das macht, dann braucht man keine pseudoschlauen Ratgeberbücher (die man oft von allen möglichen Leuten geschenkt bekommt weil die nicht wissen, was sie sonst tun sollten). Solche "wenn du das gelesen hast, dann sind deine Probleme gelöst"-Bücher bringen meist nur was bei Leuten, die keine Probleme haben oder werden von Leuten gelesen, die gern anderen Leuten dreinreden wollen um zu beweisen, dass man das Psychologie-Studium doch ganz locker geschafft hätte...

Wenn du dann ein paar Gedichte kannst und es geht dir richtig schlecht, dann leg dich aufs Sofa, leg ne CD auf und sag, lautlos, nur für dich, ein Gedicht auf, z.B: "Füllest wieder Busch und Tal
still mit Nebelglanz,
lösest endlich auch einmal
meine Seele ganz.

Breitest über mein Gefild
lindernd deinen Blick,
wie des Freundes Auge mild
über mein Geschick" usw. (oder so ähnlich, bin jetzt zu faul das Buch zu suchen. Das Gedicht werden aber die meisten kennen.)

Das hat nicht nur mit dem Inhalt eines Gedichtes zu tun, sondern auch mit dem Aufsagen, denn das beeinflusst deine Atmung, und wenn deine Atmung durch sowas ruhiger wird, dann wirst vielleicht auch du ruhiger...
Wenn du dann noch nen guten, warmen Tee danebenstehen hast, dann gehts dir vielleicht nach 20-30 Minuten wieder besser. Und wenns länger dauert, dann dauerts eben länger, was solls, du hast Zeit!

Verlass dich nicht so sehr auf andere ("Verlass dich auf wen - und du bist verlassen...") und schau, dass DU FÜR DICH was findest.

Vielleicht sollte man mal dafür nen eigenen "Mir hilft bei Psycho-Problemen folgendes:"- oder "Ich beschäftige mich zur Zeit mit"-Thread eröffnen? Mit anständigen CD-, Film-, und Bücherlisten, Trinkschokolade- und Tee-Empfehlungen, Gedichte-Empfehlungen und was es sonst noch so alles gibt, was Forumsmitglieder, die schon lange PH haben unternehmen oder hernehmen, wenn sie die große "Winterdepression" überkommt... (Nicht ohne Grund nimmt hier irgendwer als Unterschrift immer ein Zitat aus "Lawrence von Arabien" her...)

Viele Grüße,

Martin

wuffel
04.07.2013, 22:58
WOW

"Der Tag war vergangen...wie so viele Tage vergehen....ich hatte ihn sanft umgebracht in meiner schüchternen und primitiven Art von Lebenskunst."

Kafka

Sehr inspirierend Dein Beitrag!

Wir sollten dafür wirklich einen eigenen Thread aufmachen.

...

Durch einen Infekt gehts mir sooo bescheiden, dass zum WC schwindeln mit Festhalten an der Wand etc. momentan die größte Aktion ist...ich arbeite dran, dass es besser wird.

War immerhin schon bei fast 4km tgl auf dem Ergometer.

Ich lese gerade Kluftinger...sehr süß

Bei Musik muss ich bisweilen heulen wie ein Schlosshund....wahrscheinlich, weil ich nicht mehr Singen kann (ich hab ne Sopranausbildung genossen)...

Meditation ist hilfreich...

Jetzt sind wir total OT oder so ;-)

DANKE für Deinen schönen Beitrag...der legte sich gerade wie Heilsalbe auf mein Seelchen!!!

Seerose
05.07.2013, 11:24
Hallo Martin,

sehr guter Beitrag. Hat mich inspiriert einiges auszuprobieren.

Im übrigen verlasse ich mich nur auf mich selbst.
Zuerst muss man wohl selber mit sich im reinen sein.

Für die Angehörigen ist es auch ziemlich schwer mit der Diagnose des betroffenen umzugehen.
Für einen selbst ist es schon schwer und den Angehörigen gehts oft viel schlimmer weil die Angst oft lähmt.

Alles braucht Zeit, das habe ich gelernt.
Vielleicht hat mich die Diagnose sogar zum besseren Menschen gemacht, weil ich viele Dinge jetzt ganz anders sehe und ich dadurch anders handel.

LG Manuela

Ralf
05.07.2013, 12:42
Sehr gute Beiträge!
Weiter so!
Und in diesem Zusammenhang sollte es kein Off-Topic geben. Einfach fließen lassen und schreiben was ihr denkt..

Ob sich doch noch ANgehöhrige melden?

LG Ralf

tigerlady2
05.07.2013, 14:30
Auch ich will was schreiben.

Also zu einem besseren Menschen gemacht? Aber es hat sich was getan, dass ich einige Menschen habe, die auf einmal gerne mit mir zusammen sind. Ich fühle mich auf einmal angenommen. Das hatte ich früher nie. ES freut mich sehr, wenn ich Kleinigkeiten sehe wie eine schöne Blume oder so. Ich freue mich viel mehr über Aufmerksamkeiten. Material ist mir völlig egal. Gestern war mir egal was die Leute mitbrachten. Ich hab mich echt vom Herzen gefreut über die Geschenke, aber mehr war es für mich, dass sie gekommen sind. Allen hat es gefallen. So bin ich heute voll von Liebe im Herzen.

Natürlich hab auch ich meine schwarzen Tage. So die letzen Wochen. Fühlte mich ständig ko. KOpfschmerzen und einfach schlapp. Dann kommt die Angst. Es wird doch nicht schlimmer werden. Und ich glaube, es war die Vorfreude auf die Party. Das hab ich schon oft an mir beobachtet. Wenn ich vor etwas Angst habe ob alles in Ordnung geht und ich innerlich Aufgeregt bin, dann fühle ich micht schlecht. Ich meine immer: Es kommt eine große Grippe oder meine Lunge tut mir weh, mein Herz klopft wie wild. Und heute alles weg. Wie ein Wunder.
Ich könnte heute Bäume (Bonsai) ausreisen.
Manchmal hab ich das Gefühl. dass die Angst einem Lähmt.
Am Dienstsag werd ich jetzt noch die Angst um meinen Sohn ansprechen in Heidelberg. Irgendwie sagt mein Gefühl, er muss sich testen lassen.
Das geht mir schon eine Weile durch den Kopf.
Ach ja, ich hasse es, wenn draußen schönes Wetter ist und ich mich mal wieder beschissen fühle. Ich denke dann immer einen Tag im Leben zu versäumen.
So ich denke das reicht fürs erste.
l.g.
claudia

tigerlady2
05.07.2013, 15:36
Hallo Männchen,

ja so war es bei mir auch. Ich bin eine power Frau gewesen. Immer Lustig.
Das bin ich jetzt auch wieder. Gott sei Dank. Aber ich kann mich an einem Tag erinnern da war ich so depri. Und alle haben gesagt: Was hast den Sei net so krätzig. Keiner hatte verstanden wie weh es mir tat als mein Partner die Boogie auftritte mit einer anderen getanzt hat.
Auch er hat sich nicht von mir abhalten lassen.
Dann diese Einsamkeit zu Hause. Ich bin ja noch in eine andere Stadt gezogen.
Mein Partner hat mich noch gesund kennen gelernt. Er hat aber nicht eine Sekunde gezögrt. Ich glaube auch , dass er damal nicht verstanden hat wie krank ich bin und wie das Leben weiter geht. Für ihn unverändert. Er geht zu seinen Hobbies nach wie vor.
Denoch bin ich froh nicht allein zu sein. Er ist ja da wenn ich ihn brauche. Zuminderst hat er es jetzt kapiert. War am Anfang auch nicht so.
Ja wir sollten ein Buch schreiben. Das wär bestimmt der Bestzeller aller Zeiten.
Claudia

wuffel
05.07.2013, 17:21
Huhu Claudia,

die Angst hat mich wohl schon gelähmt, da hatte ich noch keine Diagnose.

Jahrelang erging es mir häufig so, dass ich, wenn ich ma nächsten Tag viel geplant hatte, vor lauter....ja was eigentlich???...nicht einschlafen konnte....und dann war ich unausgeschlafen, schwindelig...hatte meine Rückenschmerzen....und sagte häufig ab....

Ich weiß gar nicht, wann dieses merkwürdige Verhalten anfing...?

Lore
05.07.2013, 20:08
Hallo zusammen,

das mit der Angst bringt wirklich viel mit sich. Mir ist es dann oft schwindlig. Wenn ich Termine habe, dann geht es mir oft nicht so gut. Wenn aber nichts ansteht und ich in Ruhe zu Hause ein wenig was tun kann, dann geht das viel besser. Im Moment bin ich mich wieder am aufrappeln. Habe eine Woche in der Klinik verbracht, da ich wieder Rhytmusstörungen hatte. Hab neue Tabletten bekommen die hoffentlich lange wirken. INR ist dadurch angestiegen, nun muß der wieder neu eingestellt werde. Ich finde wenn man wieder zu Hause ist, braucht es wieder einige Zeit, bis man das Erlebte aus dem Kopf hat. Man denkt ja doch viel, hoffentlich geht das nicht wieder los.

Anstatt Gedichte lerne ich Gesangbuchlieder auswendig. Die kann ich dann auch nachts im Bett lautlos sprechen, was sehr beruhigend ist. Ich bete auch sehr viel und werde dabei viel ruhiger. Gott hat mir schon so oft geholfen, und ich bin gewiß, dass er das auch weiterhin tut. Euch alle aus dem Forum schliesse ich auch immer wieder in mein Gebet mit ein.

Gottes Segen

Lore

wuffel
05.07.2013, 20:45
Das ist lieb von Dir, Lore!

DANKESCHÖN.

...stimmt, so alleine auf der Couch oder vorm Einschlafen laufen die Gedanken...da denke ich auch viel an Euch hier und frage mich dann, wie die "anderen" das alles so erleben...was sie so denken...was sie so können....welche Erfahrungen sie machen usw.

Ich klau mir dann immer ein Mantra um mich zu erden:

Om tare tuttare...

http://www.thangka.de/Icono/DWeiTara.htm

Ich liebe diese Figuren....und habe auch eine hier stehen...."lustigerweise" bekam ich von Freunden mal eine Medizinbuddhastatue geschenkt.

Tibet und der tibetische Buddhismus waren und sind meine Steckenpferde (habe in Bonn sogar Tibetologie gelernt)....momentan fehlt die Kraft...ich hoffe, dass ich wieder ein wenig mehr bekomme...

Ralf
05.07.2013, 23:14
Ich gehe einfach erst ins Bett, wenn ich - wirklich sehr - müde bin. Dann schlafe ich gut und tief und ob ich dann 5 oder 7h schlafe ist bei mir dann zweitrangig. Hauptsache ich bekomme meinen Tiefschlaf. Unter 5h ist allerdings schlecht.

Angst bewirkt die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin und anderen Substanzen, die unsererm Kreislauf ordentlich zusetzen. Adrenalin ist der stärkste Vasokonstriktor (Gefäßzusammenzieher). Das wollen wir so gar nicht.

Wenn die Angst also zu belastend wird, besser eine psychologische Psychotherapie (VT) machen, das lässt sich recht gut behandeln. Aber das wird anstrengend und da muss man selbst die Grenzen setzen, was ihr mit macht und was nicht. Ode halt Pille (Anxiolytikum). Das wäre für mich aber erst die 2. Option.


LG Ralf

wuffel
06.07.2013, 15:13
In der Zeit vor der Diagnose...bestimmt schon 1-2 Jahre vorher, entwickelte sich bei mir eine absolute Schlafumkehr...und ich konnte 20h mehr oder weniger am Stück pennen...

Seitdem ich Sauerstoff (wenn mir nachts auch immer die Brille verschütt geht) und die speziellen Medis bekomme, schlafe ich in der Nacht und meistens "nur noch" 6-8h....erstaunlich, was?

Aufgefallen war mir halt diese absolute Ruhelosigkeit, wenn ich am nächsten Tag Termine hatte...so richtig aufgeschreckt...wahrscheinlich zog sich dann alles zusammen und ich bekam noch schlechter Luft...usw

Interessanterweise kann ich meistens schlafen...es sei denn, ich hab am nächsten Tag nen Herzkatheter, da schlaf ich ganz schlecht....der Psychologe von der PH Ambulanz fragte mehrfach nach, ob ich schlafen kann....ja, kann ich wirklich!!!

Nur die Lage im Bett ist ein Problem...Kopfteil erhöht plus Sauerstoffbrille...die geht dann im Schlaf manchmal leider verloren....und ich bewege mich eigentlich kaum im Schlaf (nicht gut)....auf der linken Seit schlafen ist fast nicht machbar, wegen Herzabdrückschmerzen...

Lore
07.07.2013, 14:29
ich kann auf der linken Seite gar nicht schlafen und auf dem Rücken sehr wenig. Wenn ich dann richtig gut schlafe, liege ich fest auf der rechten Seite. Aber insgesamt kann ich auch gut schlafen. Wenn ich mal abends weg bin und später ins Bett gehe, dann schlafe ich schlecht und bin den ganzen nächsten Tag fast zu nichts zu gebrauchen.

Am Tag lege ich mich auch immer etwas hin, aber da schlafe ich eigentlich nie, sonst wird es schwierig, bis mein Kreislauf wieder in Schwung ist.

diopa
11.07.2013, 13:59
ich würde mir Klartext wünschen. Als nicht betroffener, egal um welche Krankheit es geht, ist man ja im wahrsten Sinne aussen vor. Auch wenn das sehr mühsam ist für alle Beteiligten, aber zumindest am Anfang wäre ein regelmäßiges "tu dies" bzw "lass jenes" sehr hilfreich. Irgendwann wird sich ja alles einspielen, aber bis dahin kann man glaube ich viel Stress vermeiden wenn man klare Worte findet!

Ralf
11.07.2013, 14:20
Hallo diopa,

danke für den guten Hinweis.
Mein Tipp wäre da: Ladet die Betroffenen doch einfach ein, genau das zu tun. Das wäre für dich am besten...etc.
Stellt Frage, zeigt euch interessiert Stellt Fragen!
Bedenkt dabei aber, dass die Betroffenen voll in der Krise stecken, wenn die Diagnose neu ist.
Fühlt euch in die sie ein.

Ich finde auch die Frage gut: Woran denkst du gerade? Möchtest du mit mir darüber sprechen? Etc.
Sie signalisiert, dass der Andere einem nicht egal ist und macht ein klares Gesprächsangebot.
Lässt aber auch Freiraum..auszuweichen.

Jeder Tag, jede Stunde kann nach so einer Diagnose anders sein, was die psych. Verfassung und Stimmung angeht.
Sprechen hilft aber evtl. eben auch nicht nur über die KRankheit.

Meine Meinung.

LG Ralf

PS: Ich finde es toll, dass du dich schlau machen möchtest.

wuffel
11.07.2013, 14:27
Hallo Diopa,

finde ich klasse, dass Du versuchst Dich schlau zu machen.

Klartext ist manchmal schwer....kommt manchmal nicht an....die Köpfe werden in den Sand gesteckt....es kommt häufig die Reaktion:

"Wie, da kann man NIX machen?"

Öhem...doch....jedoch....usw

Klartext reden ...ist schwierig...bisweilen....viele wollen kein Klartext....die wollen lieber Nebelgewaber...am besten mit dem Spruch, wenn XY dann alles wieder gut.

....

Man sieht aus wie das blühende Leben, kann aber keine Treppe mehr überwinden, weil einem die Luft wegbleibt. Ich sag Dir, man kann es selbst kaum glauben!!!


LG

Wuffel

Ich beantworte Dir JEDE Frage!

tigerlady2
11.07.2013, 20:13
Hallo Leute,

als ich letzten Sonntag mal wieder den Spruch hörte: Man sieht dir gar nichts an, ist mir folgendes eingefallen und den Satz fand ich echt genieal.

Ich sagte so aus dem Bauch raus:

Ich bin auch nicht aussen kaputt, sondern innen.

Wer kann sich mit diesem Satz anfreunden?
Schönen abend noch
claudia

Lore
11.07.2013, 20:23
Hallo Claudia,

ich glaube du hast es auf den Punkt getroffen. Den Satz finde ich gut. Andererseits können sich andere ja auch nicht in uns hineindenken.

Wünsche auch einen schönen Abend

Lore

Schnattchen
11.07.2013, 20:26
Hallo , zusammen,

ich stelle gerade mal wieder fest, dass ich öfters mal im Forum vorbei schauen sollte... Es ist ja doch einiges passiert :-)

@ Martin: ich finde du solltest die Threads "Mir hilft bei Psychoproblemen..." und "Ich beschäftige mich zur Zeit mit..." wirklich aufmachen. Ist ne tolle Idee.

@ Wuffel: den Tipps von den anderen kann ich nicht viel neues mehr hinzufügen. Was mir persönlich hilft von der Zukunfts- bzw. Todesangst wegzukommen ist Akzeptanz, Achtsamkeit und Entspannung. Vor allem mit Achtsamkeitsübungen habe ich gelernt mich auf das Wesentliche in meinem Leben zu konzentrieren: MICH. Meine direkte Umgebung gehört auch dazu. Ich habe Stück für Stück gelernt im Hier und Jetzt zu leben und konnte so Stück für Stück die Angst auch integrieren, denn es lässt sich nun mal nicht verleugnen, dass die Erkrankung früher oder (hoffentlich) später lebenslimitierend sein wird.

Ein AHA-Erlebnis hatte ich als ich folgendes gelesen habe:

"Ich atme ein und komme zur Ruhe.
Ich atme aus und lächle.
Ich atme ein und weiß, dass ich lebe!
Ich atme aus und lächle dem Leben zu!!!" (Thich Nhat Hanh)

Viele Grüße
Schnattchen

Schnattchen
11.07.2013, 21:25
Hallo zusammen,

ja ja unsere lieben Männer... nur keine Schwäche zeigen. Wenn ich eure Texte lese, dann erkenne ich meine "bessere" Hälfte wieder. Ich habe anfangs immer über meine Situation geweint, wenn er auf Arbeit war, damit ich wieder - im Rahmen meiner damaligen Möglichkeiten - stark sei konnte. Ich wollte mich ihm mit meiner "Schwäche" nicht zumuten. Das ging auch eine ganze Weile gut.... Irgendwann habe ich mich so missverstanden und nicht gesehen gefühlt, dass ich meine ganze Kraft zusammen genommen habe und meine Angst davor, dass er mich verlassen könnte, beiseite geschoben und wie ein (beiderseits) tränenreiches Gespräch hatten... Seitdem haben wir die Vereinbarung, dass ich ihm sage, wenn es mir mal nicht gut geht und/oder ich seine Hilfe brauche. Andererseits meldet er mir zurück, wenn ich mir - seiner Meinung nach - mal wieder zu viel zumute. Seitdem funktioniert es prima.
Allerdings arbeitet er immer noch so viel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das seine Art ist mit der ungewissen Situation und seiner Angst um mich umzugehen und einen (normalen "gesunden") Alltag zu leben.

Und.... @ Wuffel: was ich mir wünsche? Ehrlich gesagt, was meine Angehörigen, Freunde und Kollegen betrifft, bin ich wunschlos glücklich - zumindest inzwischen. Von dem weiteren Umfeld würde ich mir mehr Verständnis und Akzeptanz wünschen. Lieber sollen die Menschen fragen, warum ich laufend stehen bleibe oder den Sauerstoff habe (bzw. hatte) und nicht nur schauen. Viele Eltern könnten von der Offenheit und Neugierde ihrer Kinder lernen ;-).

Viele Grüße
Schnattchen

Ralf
11.07.2013, 22:53
Meine Freunde sind total in Ordnung und mein Norw.-Kurs (inzwischen ebenfalls super Freunde) ist der Hammer! (Der Rest ist längst aussortiert, waren aber nur ganz wenige)
Sie haben sogar meine Behinderung bei den Planungen unserer diversen "Klassenfahrten" berücksichtigt.
Als mal jemand (Neues) vorschlug, mal eine Berghütte zu buchen und ein wenig zu wandern, kam uni sono: Geht nicht, dann kann Ralf nicht mit.
Ich hab gesagt, dass sie das ruhig mal machen sollten, ich würde einfach mal aussetzen.
Da kam wieder wie aus einem Munde: kommt nicht in Frage.
Und damit war das Thema vom Tisch.
Ich war - am heulen.
Sie ziehen mir auch den Koffer oder nehmen mir den Rucksack ab, warten fragen, ob es geht. Usw.
Beim Einkaufen, ziehen sie allein los und ich mache in der Zeit Siesta um mich für den Nachmittag zu stärken und wir nehmen für alles die Straßenbahn etc., was länger ist. Obwohl sie es locker laufen könnten. Und wenn wir gehen, dann machen sie Pausen etc. Total rührend.
Da ich keinen ganzen Tag durchstehen würde, lasse ich aber auch Aktivitäten ausfallen und schlafe zur Erholung.
So kommen sie auch zu längeren Wanderungen etc. Läuft super!

LG Ralf

Ralf
11.07.2013, 22:56
Sehr schönes Zitat, danke Schnattchen.

LG Ralf

Lore
12.07.2013, 17:36
Meine jüngere Tochter hat bei uns am meisten Einfühlungsvermögen. Sie merkt meist als erste, wenn es mir nicht gut geht und fragt dann nach. Sie ist auch immer sehr hilfsbereit (sie würde lieber mir helfen, als Schularbeiten zu machen). Meine ältere Tochter ist ja selbst betroffen, daher denke ich, dass es für sie viel schwieriger ist. Trotzdem hilft auch sie, wenn es nötig ist. Mein Mann unterstützt mich so gut er kann. Aber er hat die Krankheit noch nie richtig akzeptier und ich denke bei ihm ist die Angst viel größer als bei mir. Er arbeitet sehr viel, und da wir noch im Nebenerwerb etwas Landwirtschat haben, ist er im Sommer eigentlich meist bis 21/22 Uhr draussen beschäftigt. Er muss halt fast alles alleine machen, aber das ist ihm lieber als etwas davon aufzugeben. Über die Krankheit mit ihm zu reden ist schwierig. Das tu ich auch sonst selten, ich bringe alles was mich belastet im Gebet vor Gott. Und das tut immer wieder gut.

Von meinen Geschwistern und Schwägerinnen bekomme ich immer Unterstützung wenn es nötig ist. Da sie aber alle auch selbst Familie haben und noch im Berufsleben stehen, nehme ich es nur in Anspruch, wenn es nicht anders geht. Als ich vor 3 Wochen wiedr ins Krankenhaus musste, waren wir fürs Hinbringen und Abholen dankbar.

Liebe Grüße

Lore

wuffel
15.07.2013, 12:58
Finde ich auch!

Ich habe mich sehr ausgiebig mit Philosophien und insbesondere auch mit dem Buddhismus auseinandergesetzt.

Auf der Vernunftsebene (so will ich es mal nennen) kann man vieles verstehen und akzeptieren...auf der Gefühlsebene sieht das viel chaotischer aus....

Huhu, Ihr da draußen, schreibst doch ein bisschen ... es kann anderen nur helfen!!!