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Publikumspresse-Information: Frankfurt/Main, 4. November 2006

9. PH-Patiententreffen mit Angehörigen - pulmonale hypertonie e.v.
Pressekonferenz
Gemeinsam gegen Lungenhochdruck

Frankfurt, 4. November 2006

Frankfurt/Main, 4. November 2006. Bei dem dreitägigen Patiententreffen des Selbsthilfevereins pulmonale hypertonie e.v. (ph e.v.) hatten Betroffene und ihre Angehörigen Gelegenheit, sich ausführlich über das Thema Lungenhochdruck zu informieren. Mit einem Festakt feierte der ph e.v. sein zehnjähriges Bestehen. Der Verein kann dabei auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken, hat er doch wesentlich dazu beigetragen, dass die seltene Krankheit pulmonale Hypertonie (PH) – wie der medizinische Ausdruck für Lungenhochdruck lautet – sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch bei den Ärzten stärker in das Bewusstsein gerückt ist. Rund 500.000 Menschen in Deutschland leiden an Lungenhochdruck. Doch die Dunkelziffer ist vermutlich weiterhin hoch: Mediziner schätzen die Zahl der noch nicht diagnostizierten Patienten auf zwei bis vier Millionen. Der Grund dafür: Die Krankheit beginnt meist schleichend, die ersten Symptome wie Luftnot bei körperlicher Anstrengung oder Müdigkeit sind sehr unspezifisch oder werden – auch von Ärzten – falsch interpretiert.

Bruno Kopp, Vorsitzender und Gründungsmitglied des Vereins pulmonale hypertonie e.v. sowie selbst Betroffener, lud nun schon zum neunten Mal zu dem Patiententreffen ein. „Als ich Anfang der 70er Jahre die Diagnose pulmonale Hypertonie hörte, fühlte ich mich ziemlich allein gelassen. Inzwischen zählt der ph e.v. knapp 1.000 Mitglieder und die Tendenz ist weiterhin steigend. Immer noch ist der Aufklärungsbedarf in Sachen PH sehr groß“, erklärte Kopp. Als Kopp seine Diagnose erhielt, war das einzige Medikament, das zur PH-Therapie eingesetzt wurde, ein Blutgerinnungshemmer. „Bis Mitte der 90er Jahre blieb damit mein Lungenhochdruck stabil. Als sich die Krankheit aber 1995 verschlechterte, waren meine Recherchen nach Fortschritten in der Behandlung des Lungenhochdrucks ziemlich erfolglos. Erst nach mehreren Anfragen in verschiedenen Universitätskliniken, konnte mir in Heidelberg mit einer neuen Therapie geholfen werden, mit der ich bis heute eine gute Stabilisierung erreicht habe.“

Frühzeitige Diagnose bei PH wichtig

Kopp sieht als Grund für seinen Therapieerfolg die sehr frühe Diagnose und den frühzeitigen Beginn der Therapie. Ärzte sollten weiter dafür sensibilisiert werden, bei einer ungeklärten Belastungsluftnot an Lungenhochdruck zu denken. Der Verein ph e.v. hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die breite Öffentlichkeit aber auch Ärzte und Pflegepersonal über die Krankheit zu informieren. „Wir bieten den Patienten die Gelegenheit zum Gespräch mit anderen Betroffenen. So leisten wir aktiv Lebenshilfe und können vielen Patienten wieder Mut machen. Dank unserer Kontakte zu hoch spezialisierten und engagierten Medizinern auf dem Gebiet der PH können die Patienten von einem starken Netzwerk profitieren, um so z. B. möglichst frühzeitig von neuen Diagnose- und Therapieverfahren zu erfahren“, erläuterte Kopp. Das diesjährige zentrale Patiententreffen ist Auftaktveranstaltung zu weiteren Informationsveranstaltungen bundesweit. Dabei sollen sowohl Mediziner als auch Mitbürgerinnen und Mitbürger angesprochen werden.

Bei einer pulmonalen Hypertonie ist der Blutdruck in den Blutgefäßen der Lunge chronisch erhöht. Der Grund sind verengte Lungengefäße, die für die rechte Herzkammer Schwerstarbeit bedeuten, um den benötigten Blutfluss aufrechtzuerhalten. Die verminderte Durchblutung der Lungen erschwert die Sauerstoffversorgung des gesamten Körpers: Patienten mit Lungenhochdruck leiden unter Kurzatmigkeit nach körperlicher Belastung und ermüden frühzeitig. Wenn die Krankheit schnell fortschreitet kommt es zum Beispiel zu Herzstolpern, Kreislaufstörungen oder Ödemen in den Beinen. Durch die ständige Überlastung droht schließlich ein Rechtsherzversagen.

Die Ursachen für die verengten Lungengefäße sind meist andere als für den arteriellen Bluthochdruck, der den Körperkreislauf und die Herzkranzgefäße betrifft. Bei chronischen Formen der pulmonal arteriellen Hypertonie nimmt z.B. der Umfang der Gefäßmuskulatur zu. Der verminderte Querschnitt der Gefäße erschwert den Durchfluss. Schließlich kann das Muskelgewebe langsam in Bindegewebe umgebaut werden – die Flexibilität der Gefäße lässt weiter nach. Die pulmonale Hypertonie kann auch als Folge anderer Krankheiten auftreten, z. B. bei chronischen Lungenkrankheiten oder kann im Zusammenhang mit angeborenen Herzfehlern, Bindegewebskrankheiten oder HIV-Infektionen stehen. Oft bleibt die Ursache unbekannt, auch wenn die Veranlagung für Lungenhochdruck vererbt werden kann. Da die unterschiedlichen Ursachen für die Therapie berücksichtigt werden müssen, haben Fachleute auf einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2003 in Venedig eine Einteilung der Krankheit in fünf Kategorien vorgeschlagen:

  1. Pulmonal arterielle Hypertonie (PAH) z.B. die familiäre pulmonal arterielle Hypertonie (FPAH) und andere PAH (APAH), die z. B. bei Bindegewebserkrankungen und HIV-Infektionen auftreten oder durch Medikamente (Appetitzügler) und Giftstoffe hervorgerufen werden können
  2. Pulmonal venöse Hypertonie bei Erkrankungen der linken Herzenkammer
  3. Pulmonale Hypertonie bei respiratorischen Lungenerkrankungen oder bei Sauerstoffmangel, z. B. bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung oder chronischer Höhenkrankheit
  4. Pulmonale Hypertonie aufgrund chronischer Lungenarterienembolien
  5. Pulmonale Hypertonie bei anderweitig nicht klassifizierten Erkrankungen

Erste Hinweise auf einen Lungenhochdruck kann der Arzt schon anhand der Befunde aus der körperlichen Untersuchung und aus bestimmten Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) ablesen. Für eine weitergehende differenzierte Diagnostik müssen im nächsten Schritt Lungenfachärzte und Kardiologen eingeschaltet werden. Dank der Echokardiografie – der Ultraschalluntersuchung des Herzens – ist eine für den Patienten schonende Kontrolle der Herzfunktion möglich, die auch Rückschlüsse auf den Lungendruck erlaubt. Die Echokardiografie ist neben der körperlichen Untersuchung und dem EKG eine der wichtigsten Methoden für die Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen bei Lungenhochdruck. Da die Erkrankung sehr selten ist, verfügen nur bestimmte Klinikzentren über eine breite Erfahrung im Umgang mit dem Lungenhochdruck. Die spezielle Diagnostik und die Einstellung auf die Medikamente sollte deshalb in diesen Zentren erfolgen.

Leben mit Lungenhochdruck

Privatdozentin Dr. med. Heinrike Wilkens, Homburg, gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Therapieoptionen: „Lungenhochdruck war bis vor wenigen Jahren eine vernachlässigte Krankheit, die oft übersehen wurde. Denn dieses Krankheitsbild gilt als sehr selten und war im Bewusstsein der Öffentlichkeit völlig unbekannt. Es gab praktisch keine Behandlungsmöglichkeiten für die Krankheit, die bei einem Teil der Patienten unbehandelt im Durchschnitt innerhalb von knapp drei Jahren zum Tode führt. Erst in den letzten zehn Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten entscheidend gewandelt. Aus einer ausweglosen Erkrankung, bei der bestenfalls eine Lungentransplantation helfen konnte, ist eine Krankheit geworden, bei der den Betroffenen durch eine gezielte Therapie ein Leben mit deutlich verbesserter Lebensqualität und Belastbarkeit ermöglicht wird.“ Dabei seien wesentliche Impulse aus der deutschen Medizin gekommen. Die Krankheitsmechanismen würden inzwischen besser verstanden und könnten besser beeinflusst werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sei aber immer noch ein möglichst frühzeitiger Behandlungsbeginn.

Doch eine frühe Diagnose ist schwierig. Wenn die Patienten den Arzt aufsuchen, leiden sie meist bereits unter Luftnot. Oft werden die Symptome dann anderen Krankheiten wie zum Beispiel einem Asthma bronchiale zugeordnet. Bis zur Diagnose „PH“ vergehen vielfach Monate bis Jahre. „Viele Patienten können dann nur noch einige Meter beschwerdefrei zurücklegen, Treppensteigen oder sportliche Aktivitäten sind nicht mehr möglich, selbst Körperpflege wird zur Herausforderung. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen kann das Leben mit zahlreichen Einschränkungen im Privatleben und Beruf verbunden sein,“ beschrieb Wilkens die fortgeschrittene Krankheit. „Die pulmonale Hypertonie kann in jedem Alter auftreten, selbst bei Neugeborenen. Der Hausarzt sollte bei jeder Belastungsluftnot, die keine eindeutige Ursache hat, an das Vorliegen einer pulmonalen Hypertonie denken und den Patienten daraufhin untersuchen oder zur weiteren Diagnostik an ein Zentrum für Lungenhochdruck überweisen. Nur eine rechtzeitige und gezielte Therapie kann zur Verbesserung der Belastbarkeit, der Lebensqualität und der Lebenserwartung der PH-Patienten beitragen“, empfiehlt Wilkens.

Basismaßnahmen und gezielte medikamentöse Therapie

Die Arbeitsgemeinschaft Pulmonale Hypertonie wird in Kürze deutsche Leitlinien zur Therapie der pulmonalarteriellen Hypertonie veröffentlichen. Professor Dr. med. Horst Olschewski, Graz, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, fasste die wesentlichen Punkte der Leitlinien zusammen: „Nach der Diagnose Lungenhochdruck werden zunächst Basismaßnahmen eingeleitet, ein spezialisiertes Zentrum kontaktiert und dann Entscheidungen über die gezielte Therapie getroffen. Zu den Basismaßnahmen gehört die Vermeidung von körperlichen Spitzenbelastungen, die zu Luftnot oder Schwächeanfällen führen. Andererseits kann nach Einleitung einer medikamentösen Therapie und nur bei einem stabilem Verlauf ein angepasstes Training empfehlenswert sein. Hinzu kommen kann eine Sauerstoff-Langzeittherapie und Medikamente für die Basistherapie wie Diuretika und gerinnungshemmende Medikamente.“

Neben den Basismaßnahmen kann der Arzt in einem Zentrum für Lungenhochdruck eine so genannte gezielte Therapie vornehmen. Einige wenige Medikamente sind in der Lage, die verengten Lungengefäße so zu entspannen, dass sie sich wieder weiten und der Blutdruck wieder sinkt. Auf welche Wirkstoffe der Patient anspricht, muss im Einzelfall abgeklärt werden. Die gefäßerweiternden Medikamente werden entweder als Infusion verabreicht, inhaliert oder als Tablette eingenommen.

Weitere Hilfen für PH-Patienten

„Es gibt kaum ein Gebiet der Medizin, in dem so große Fortschritte erzielt wurden wie bei der pulmonalen Hypertonie. Neben neuen Diagnoseverfahren wurden wichtige neue Therapieverfahren für die PH entwickelt. Die vergangenen 10 Jahre stellen gleichzeitig auch für den ph e.v. eine erstaunliche Erfolgsgeschichte dar“, resümierte Privatdozent Dr. med. Ekkehard Grünig, Heidelberg, „Mit Hilfe des ph e.v. wurden ergänzende Therapien wie die Atem- und Bewegungstherapie, die sehr effektiv das Befinden und die Belastbarkeit der Patienten verbessern kann, auf den Weg gebracht. Der Verein hat Veranstaltungen und Gesprächsforen initiiert, beteiligte Akteure in ein Boot geholt und zu einer intensiven Vernetzung der auf Lungenhochdruck spezialisierten Zentren beigetragen.“ Darüber hinaus gibt es einen Patientenratgeber „Leben mit Lungenhochdruck“ mit Tipps zum Alltag und halbjährlich einen „rundbrief ph“. Bundesweit fungieren Landesverbände als regionale Ansprechpartner. Hier werden regionale Patiententreffen angeboten. Der ph e.v. hat auch im Jahr 2001 die René Baumgart-Stiftung gegründet, die durch die jährliche Ausschreibung des René Baumgart-Preises die Forschungsförderung beim Lungenhochdruck unterstützt. Schon zum dritten Mal konnte dieses Jahr der Preis an renommierte Forscher verliehen werden. Ein aktuelles Projekt, das zur Verbesserung der Krankenversorgung beitragen soll, ist die Finanzierung von PH-Schwestern. Sie stehen in vielen Kliniken deutschlandweit den Patienten mit Lungenhochdruck zur Seite. Eine bundesweite Informationskampagne, deren Auftaktveranstaltung das zentrale Patiententreffen 2006 ist, wird für das kommende Jahr geplant. Hierbei sollen sowohl die Mediziner als auch die Bevölkerung fundiert über die Diagnostik, Therapie und das Leben mit Lungenhochdruck informiert werden. Begleitend soll ein Journalistenwettbewerb, dessen Preis mit 3.000 Euro dotiert ist, ausgelobt werden.

Behandlungskonzepte der Zukunft

Trotz der Fortschritte in der Diagnostik und Therapie des Lungenhochdrucks gibt es bisher noch keine Therapie, die die Krankheit wirklich zu heilen vermag. Professor Dr. med. Ardeschir Ghofrani, Gießen, gibt einen Ausblick auf aktuelle Forschungsarbeiten und mögliche Entwicklungen von Therapien, die nicht nur die Symptome lindern: „Bisherige symptomatische Therapien des Lungenhochdrucks zielten im Wesentlichen auf eine Gefäßerweiterung ab. Zukünftige Therapien werden zunehmend auf die Umkehrung der krankhaften Veränderungen in den Lungengefäßen ausgerichtet sein.“

Neben der Entwicklung neuer spezifischer Therapien sah Ghofrani auch Handlungsbedarf zur Verbesserung der Frühdiagnostik. „Der Ausbau nationaler Exzellenzzentren ist von großer Bedeutung, da hier eine optimale Verzahnung von Grundlagenwissenschaft und klinischer Forschung gewährleistet werden kann.“ Die Bildung nationaler und internationaler Netzwerke kann zukünftig dazu beitragen, dass neue Therapiekonzepte konsequent den betroffenen Patienten zur Verfügung gestellt werden können. Kopp erklärt dazu, dass neben dem Ausbau von Exzellenzzentren auch eine flächendeckende, qualifizierte Behandlung der Patienten sichergestellt werden müsse. Aus diesem Grund strebt der ph e.v. und seine Landesverbände enge Kooperationen mit auf PH spezialisierten Kliniken an und organisiert fachübergreifende Kontakte.

Eine Information des
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Wormser Str. 20
D-76287 Rheinstetten

Bei Rückfragen:
Bruno Kopp, Vorsitzender ph e.v.
Tel.: (0 721) 3528 381
Fax: (0 721) 3528 880
E-Mail: info@phev.de
Homepage: www.phev.de

Redaktion:
Medizin & PR GmbH – Gesundheitskommunikation
Im Klapperhof 33a
50670 Köln

Bei Rückfragen:
Birgit Dickoré 0221 / 77 543 – 11
Iris Schürger 0221 / 77 543 – 16
Ricarda Wille 0221 / 77 543 – 14
E-Mail: kontakt@medizin-pr.de

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