Archiv
Presseinformation vom 17.03.2005
Forschungspreis der Rene Baumgart-Stiftung 2005:
Brücke zwischen Grundlagenforschung und Lungenmedizin
eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten für
Lungenhochdruck
Im Rahmen des 46. Kongresses der Deutschen Gesellschaft
für Pneumologie (DGP) in Berlin überreichte
heute PD Dr. Ekkehard Grünig aus Heidelberg im
Namen der gemeinnützigen Rene Baumgart-Stiftung
den mit 5 000 € dotierten Forschungspreis an die
junge indische Biotechnologin Soni Pullamsetti. Sie
ist damit die zweite Forscherpersönlichkeit, die
diese Auszeichnung erhält. Der jährlich ausgeschriebene
Preis würdigt Forschungsarbeiten, die sich klinisch
oder experimentell mit dem Krankheitsbild des Lungenhochdrucks
(Pulmonale Hypertonie - PH) beschäftigen. Die
29-Jährige überzeugte die unabhängigen
Sachverständigen mit ihrer Grundlagenarbeit “Increased
levels and reduced catabolism of asymmetric and symmetric
dimethylarginines in pulmonary hypertension“.
Die Publikation liefert Hinweise auf die molekularen
Ursachen des Lungenhochdrucks und könnte damit
als Grundlage für neue Therapieansätze dienen.
Es gelang ihr erstmals, in einer Pilotstudie die Erkenntnisse
der Arbeitsgruppe von Dr. Ralph Schermuly aus tierexperimentellen
Untersuchungen auf Menschen zu übertragen.
Schlüsselenzym
in der Behandlung des Lungenhochdrucks
„Viele wissenschaftliche Arbeiten belegen die zentrale
Bedeutung des Gases Stickstoffmonoxid (NO) in den Blutgefäßen
der Lunge. Es weitet die Blutgefäße und fördert
so die Durchblutung und den lebenswichtigen Gasaustausch
in der Lunge. Beim Lungenhochdruck ist die Aktivität
von NO herabgesetzt, ohne dass die genaue Ursache hierfür
bekannt ist“, so erklärt die Wissenschaftlerin
das Ziel ihrer Grundlagenarbeit mit klinischem Bezug.
NO steht in einem kontinuierlichen Gleichgewicht mit
seinem Gegenspieler, kurz als ADMA (Asymmetrisches Dimethylarginin)
bezeichnet, welches die Blutgefäße eng stellt.
In ihrer mit dem Preis ausgezeichneten Publikation konnte
die 29-Jährige nun die Schlüsselrolle eines
wichtigen Enzyms in diesem System beschreiben: Sie fand
heraus, dass der Gehalt an DDAH-2 (Dimethyl-arginin-dimethyl-aminohydrolase)
sowohl bei tierexperimentell erzeugtem Lungenhochdruck
als auch bei Patienten mit Lungenhochdruck erniedrigt
ist. Die DDAH-2 bewirkt den Abbau des NO-Hemmers ADMA.
Durch die verringerte Aktivität des Enzyms wird
die gefäßengstellende Wirkung des ADMA verstärkt
und verlängert. Die Familie der DDAH- Enzyme ist
noch nicht lange bekannt. Es ist erstmals 1993 beschrieben
worden. Nun könnte es sich als Schlüsselenzym
in der Behandlung des Lungenhochdrucks erweisen.
Das Krankheitsbild Lungenhochdruck
Lungenhochdruck, medizinisch auch Pulmonale Hypertonie
(PH), ist eine seltene Erkrankung, die durch eine starke
Verengung der Lungengefäße gekennzeichnet
ist. Die Betroffenen leiden bereits bei geringster
Belastung oder sogar in Ruhe unter Atemnot, ihre körperliche
Leistungsfähigkeit ist erheblich eingeschränkt.
Unterschiedliche Ursachen können einen Lungenhochdruck
auslösen. Hierzu gehören z.B. die Einnahme
von Appetitzüglern, Lebererkrankungen, Bindegewebserkrankungen,
HIV-Infektion und angeborene Herzfehler. Es gibt aber
auch genetisch bedingte Formen des Lungenhochdrucks,
die ganze Familien betreffen.
Der Verlauf der Krankheit ist meist chronisch. Durch
die starke Überlastung des Herzens sterben die
Patienten häufig in jungem bis mittleren Alter
an Rechtsherzversagen. Erst seit wenigen Jahren besteht
die Möglichkeit die Beschwerden mit verschiedenen
Medikamenten die inhaliert oder als Tabletten eingenommen
werden zu lindern. Trotz großer Errungenschaften
in der Behandlung des Lungenhochdrucks in der letzten
Dekade ist eine Heilung bislang nicht möglich.
Verschlechtert sich der Zustand eines Patienten bleibt
als letzte Therapieoption nur die Lungentransplantation.
Preisträgerin
im festlichen Sari
Soni Pullamsetti kommt ursprünglich aus Hyderabad
in Südindien. Nach Abschluss ihres Studiums der
Biotechnologie kam sie im Mai 2002 nach Deutschland
und integrierte sich schnell in die Arbeitsgruppe von
Dr. Ralph Theo Schermuly am Zentrum für Innere
Medizin des Universitätsklinikums Gießen.
Unter der Leitung von Prof. Werner Seeger und Prof.
Friedrich Grimminger hat sich in Gießen ein international
anerkanntes Lungenzentrum entwickelt (University of
Giessen Lung Center, UGLC). „Hier habe ich ideale
Möglichkeiten für meine Forschung gefunden“,
schwärmt die Nachwuchswissenschaftlerin des interdisziplinären
Zentrums. Sie ist eine der ersten Absolventinnen und
engagierte Sprecherin des Internationalen Graduiertenkollegs „Molecular
Biology and Medicine of the Lung“ (MBML). Nach
anglo-amerikanischem Vorbild erhalten hier zurzeit
fast 60 graduierte Studenten aus aller Welt eine spezielle
Ausbildung in der molekularen Lungenmedizin, die sie
auf erfolgreiche Karrieren in Forschung und Industrie
vorbereitet.
Die René Baumgart-Stiftung
Die René Baumgart-Stiftung wurde 2001 vom Selbsthilfeverein
pulmonale hypertonie e.v. gegründet. Die Stiftung
hat den Zweck, die medizinische Forschung im Krankheitsbild
des Lungenhochdrucks bei Kindern und Erwachsenen zu
fördern. René Baumgart war ein junger Mann,
der mit 19 Jahren die Diagnose „Idiopathische
Pulmonale Hypertonie“ erfuhr und mit 23 Jahren
an dieser tückischen Krankheit verstarb. Er erlernte
den Beruf des Druckers und war kurz vor seinem Tod
dabei, die Meisterprüfung abzulegen.
Neben der Förderung der klinischen Forschung unterstützt
die René Baumgart-Stiftung ein zentrales Register
für Patienten mit pulmonaler Hypertonie. Die im
Register gespeicherten Daten lassen Rückschlüsse
auf die Häufigkeit von Lungenhochdruck, den Krankheitsverlauf
und die Medikation bei einzelnen Patienten zu. Auf
dieser Basis können Betreuungskonzepte, Qualitätssicherung
und Forschungsstrategien verbessert werden. Vordringliches
Ziel ist es, ein Heilmittel zu finden, das eine vollständige
Genesung in Aussicht stellt.
Weitere Informationen erhalten Sie:
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Werner Seeger
Vorstandsvorsitzender der René Baumgart-Stiftung
Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II
Universitätsklinikum Gießen
Klinikstraße 36
35392 Gießen
Tel.: 0641 / 99 423 50 /-51 (Sekretariat)
E-Mail: werner.seeger@innere.med.uni-giessen.de
Internet: http://www.uniklinikum-giessen.de/med2/
Dr. Ralph Theo Schermuly
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Klinische Forschungsgruppe „Respiratorische Insuffizienz“
Klinikstrasse 36
35392 Gießen
Tel.: 0641 / 9942420
E-Mail: ralph.schermuly@innere.med.uni-giessen.de
|