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Presseinformation vom 24.11.2004
Aufatmen mit Lungenhochdruck
Neue Therapieoptionen verbessern die Lebensqualität
Wie wichtig ein Informations- und Diskussionsforum
für Menschen ist, die an einer seltenen und
lebensbedrohlichen Krankheit wie der pulmonalen Hypertonie
(PH) leiden, zeigte sich am vergangenen Wochenende.
Mehr als 200 Patienten mit Lungenhochdruck waren der
Einladung des Selbsthilfevereins pulmonale hypertonie
e. v. gefolgt und hatten sich zum dreitägigen
7. PH-Patiententreffen mit Angehörigen in der
Sportschule des Landessportbundes Hessen e. V.
in Frankfurt eingefunden. Weltweit führende
Mediziner, Therapeuten und andere Experten auf dem
Gebiet der pulmonalen Hypertonie informierten
die Patienten über Ursachen des Lungenhochdrucks,
Weiterentwicklungen in der Diagnostik sowie neue
Therapieoptionen und zeigten aktuelle Forschungsergebnisse
auf. In insgesamt 14 Workshops hatten Betroffene
und Angehörige die Gelegenheit über den eigenen
Umgang mit der Krankheit zu sprechen und konnten austesten,
wie leichte Bewegungs- und Atemübungen das Wohlbefinden
verbessern. In ihrem Grußwort hob die hessische
Sozialministerin, Silke Lautenschläger, die Bedeutung
von Selbsthilfevereinen als wichtige Säulen des
Gesundheitswesens hervor.
Aus medizinischer Sicht galt für PH-Patienten
lange Zeit das Gebot der körperlichen Schonung.
Luftnot, Erschöpfung bei geringsten körperlichen
Belastungen oder eine schlechte Sauerstoffversorgung
der Muskeln und Organe lassen Patienten ohnehin nur
wenig Raum für körperliche Bewegung. Oft
wird schon die kleinste Wegstrecke oder das Treppensteigen
zum unüberwindlichen Hindernis. Problematisch
bei mangelnder Bewegung sind allerdings der schlechte
Blutfluss in den Muskeln und eine unzureichende Sauerstoffverwertung.
In einer Pilotstudie untersuchte Dr. Ekkehard Grünig,
Universitätsklinik Heidelberg, in Kooperation
mit der Rehaklinik Königsstuhl, Heidelberg, welchen
Einfluss eine gezielte Atem- und Bewegungstherapie
auf die körperliche Leistungsfähigkeit von
Patienten mit Lungenhochdruck hat. Die noch nicht
veröffentlichten Ergebnisse der Studie belegen,
dass PH-Patienten durch gezielte Anleitung innerhalb
weniger Wochen leistungsfähiger werden können.
Beim 6-Minuten-Gehtest, der als Bezugsgröße
für die Leistungsfähigkeit von PH-Patienten
herangezogen wird, erhöhte sich bei der Mehrzahl
der Patienten die Wegstrecke signifikant.
Die Diagnose und Medikation der pulmonalen Hypertonie
war eines der zentralen Themen des Patiententreffens.
OÄ PD Dr. Heinrike Wilkens, Universitätskliniken
des Saarlandes, führte aus, dass in Deutschland
pro Jahr rund 160 Menschen an Lungenhochdruck erkranken.
Bis hin zur richtigen Diagnose vergingen, so Dr. Christian
Opitz, DRK-Kliniken Berlin-Westend, noch immer 2 Jahre,
in 10 Prozent aller Fälle sogar 3 Jahre – wichtige
Zeit, in der die Krankheit fortschreitet und der
Gesundheitszustand des Patienten sich verschlechtert.
Aus diesem Grund sind für Dr. Jörg Winkler,
Leipzig, eine enge Zusammenarbeit und ein intensiver
Informationsaustausch zwischen dem behandelnden
Arzt und den PH-Zentren in Deutschland zum Wohl des
Patienten unerlässlich. Die schon gängigen
Therapieoptionen - orale, inhalative und intravenöse
Medikamente - möchte Prof. Dr. Marius Höper,
Medizinische Hochschule Hannover, durch Kombinationstherapien
ergänzt wissen. Der Einsatz dürfe aber
nur in spezialisierten PH-Zentren erfolgen. Erste Ansätze
seien viel versprechend. Die Symptomatik bei schwerkranken
PH-Patienten hätte deutlich verbessert werden
können. Allerdings lägen noch keine ausreichenden
Erfahrungen vor.
Interessant war ein Vergleich der klinischen Versorgung
von Patienten mit Lungenhochdruck in Europa bei
dem Dr. Silvia Ulrich, Universitätsspital Zürich,
Dr. Ari Chaouat, Hopital de Hautepierre Strasbourg,
Dr. Frank Reichenberger und Dr. Ardeschir Ghofrani
(beide Universitätsklinik Gießen), die gängige
Patientenversorgung in der Schweiz, Frankreich, England
und Deutschland ausführten. In Frankreich und
England werden nach der Diagnose von Lungenhochdruck
noch vorwiegend Epoprostenol und Bosentan als bevorzugte
Therapieoptionen verordnet. In der Schweiz und Deutschland
ist die Therapierung von PH-Patienten vergleichbar.
Die auf dem Markt gängigen Medikamente werden
bei jedem Patienten individuell getestet und je
nach Verträglichkeit, eingesetzt. Neben Iloprost
und Bosentan setzen Mediziner in beiden Ländern
auch auf den Wirkstoff Sildenafil, besser bekannt als
Viagra®. Eine Phase III-Studie wurde inzwischen
abgeschlossen. Die Ergebnisse, die im Oktober
2004 auf der CEST in Seattle veröffentlicht wurden,
belegen, dass die Wegstrecke, die ein Patient beim
6-Minuten-Gehtest zurücklegen konnte (im
Mittel bei 344 Metern), sich bei Gabe von Sildenafil
um 45 bis 50 Meter erhöhte.
In insgesamt 14 Workshops erhielten Betroffene und
Angehörige weitere interessante Informationen über
das Krankheitsbild Lungenhochdruck. Bei den Patienten
beliebt waren vor allem Workshops wie der Feldenkrais
oder Tai Chi Chuan / Qi Gong, in denen die Kursleiter Übungen
vermittelten, die der Patient auch zu Hause durchführen
kann.
Lungenhochdruck ist eine lebensbedrohliche chronisch
fortschreitende Krankheit. Die Blutgefäße
in der Lunge verengen sich zunehmend. Die rechte
Herzkammer versucht diesen Widerstand durch größeren
Krafteinsatz auszugleichen, es kommt zu einer Vergrößerung
bis hin zum Rechtsherzversagen.
pulmonale hypertonie e.v.
Bruno Kopp
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