Archiv
Presseinformation vom 10.07.2004
Selbsthilfe stärkt den Lebensmut
Regionaler Selbsthilfeverein pulmonale
hypertonie Baden-Württemberg gegründet
In der neuen Medizinischen Universitätsklinik
Heidelberg wurde am Samstag die Regionalgruppe pulmonale
hypertonie Baden-Württemberg gegründet. Dies
ist eine Selbsthilfegruppe für Patienten, die
an Lungenhochdruck erkrankt sind. Bruno Kopp, Vorsitzender
des Bundesverbandes, betonte in seiner Rede, dass organisierte
Selbsthilfe engagierter Bürger für das Gesundheitswesen
heute unverzichtbar sei. „Gerade bei schwerwiegenden
und chronisch verlaufenden Krankheiten wie der pulmonalen
Hypertonie (PH), erhalten Betroffene in Selbsthilfegruppen
wichtige Informationen über ihr Krankheitsbild
und schöpfen durch den Austausch mit anderen Patienten
oftmals wieder Lebensmut.“ Rund 70 Betroffene
und Interessierte waren der Einladung des Bundesverbandes
pulmonale hypertonie e. v. gefolgt, um sich über
die Ziele der neu gegründeten Regionalgruppe und
die neuesten medizinischen Forschungsergebnisse zu
informieren.
Bruno Kopp benannte in seinem Vortrag die Ziele des
Bundesverbandes und seiner Regionalgruppen: „Wir
bieten für Betroffene einen Informationsdienst
an, arbeiten eng mit nationalen und internationalen
Institutionen zusammen, vermitteln Kontakte zu spezialisierten Ärzten
und organisieren regelmäßige Patiententreffen.“ Die
vordringlichste Aufgabe sei es aber, die medizinische
Forschung zu diesem Krankheitsbild zu fördern. „Nur
wenn die Ursachenforschung voranschreitet“, ist
Kopp überzeugt, „kann es zu einer früheren
und effektiveren Therapie kommen.“ Der Bundesvorsitzende
bedankte sich ausdrücklich bei der neu gewählten
Regionalgruppenleiterin, Helga Kühne, für
ihr Engagement und den Willen, Patienten mit Rat und
Tat vor Ort zur Seite zu stehen.
Von ärztlicher Seite wurde die Veranstaltung
von z.T. international bekannten Fachleuten für
Lungenhochdruck begleitet. PD Dr. Grünig (Universitätsklinik
Heidelberg), Mitglied der Expertenkommission des Weltkongresses
Lungenhochdruck sowie der deutschen Leitlinienkommission
führte durch das interessante Programm mit Begrüßung
durch Herrn Prof. Hugo A. Katus, dem Ärztlichen
Direktor der Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie
der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg
und Fachvorträgen von Herrn OA PD Dr. Mathias
Borst (Universitätsklinik Heidelberg), OA Dr.
Hinrich Bremer (Universitätsklinik Freiburg),
Frau OÄ PD Dr. Heinrike Wilkens (Universitätsklinik
des Saarlandes Homburg), PD Dr. Ekkehard Grünig
und Ltd. OA Dr. Gerd Stähler (Klinik Löwenstein), über
Diagnostik und Therapie von pulmonaler Hypertonie.
1996 gründete der Sonderschullehrer und PH-Patient
Bruno Kopp den gemeinnützigen Selbsthilfeverein
pulmonale hypertonie e. v., der inzwischen bundesweit
tätig ist. Hintergrund der Vereinsgründung
war es, eine starke Patientenorganisation zu schaffen,
die auf eine intensive Aufklärung von Patienten
und behandelnden Hausärzten hinwirkt. Um die medizinische
Forschung im Krankheitsbild pulmonale Hypertonie zu fördern, hat der Selbsthilfeverein
im Jahr 2001 die René Baumgart-Stiftung gegründet. Ein weiteres,
vom Selbsthilfeverein initiiertes und finanziell unterstütztes Projekt
sind die „PH-Schwestern“. Speziell geschulte Krankenschwestern
sind nach der Diagnose pulmonale Hypertonie erste Ansprechpartner für
Patienten und leisten Hilfestellung. Durch Spenden konnten bereits PH-Schwestern
an Kliniken in Freiburg, Hamburg, Heidelberg und Homburg/Saar eingestellt werden.
Herzklopfen, schnelles Ermüden und Luftnot nach
Belastungen sind die häufigsten Symptome beim
Lungenhochdruck. Da die Krankheit, im Vergleich zum
arteriellen Bluthochdruck, wenig bekannt ist, wird
sie häufig sehr spät diagnostiziert. Von
PD Dr. Grünig und Dr. Bart Janssen (Institut für
Humangenetik) aus Heidelberg war daher 2001 gemeinsam
mit Prof. Seeger in Gießen ein europaweites Projekt
zur Frühdiagnose und Genetik des primären
Lungenhochdruckes initiiert worden, durch das derzeit
in Heidelberg und Gießen auch Familienmitglieder
von Betroffen mittels Herzultraschall und genetischen
Verfahren untersucht werden können. Weiterhin
besteht in Heidelberg das Angebot einer Rehabilitationsmaßnahme
mit vorsichtiger Atem- und Bewegungstherapie, die in
der Rehaklinik Königstuhl vorgenommen wird und
die körperliche Belastbarkeit sowie die
Lebensqualität der Patienten verbessern soll.
Im Heidelberger Zentrum für PH wird die ganze
Palette der speziellen Diagnostik und Therapie der
PH angeboten und eine große Zahl von Patienten
von einem kardiologisch-pneumologischen Team (Leitung:
OA PD Dr. Mathias Borst) ambulant und stationär
betreut, einschließlich des Angebotes zahlreicher
Therapiestudien. Mit dem Universitätsklinikum
Freiburg und der Klinik Löwenstein sind weitere
Kliniken für Lungenhochdruck in Baden-Württemberg
hinzugekommen. |